Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 8

1821 wurde in William Blackwoods Edinburgh Magazine die Geschichte vom Holländer in einer längeren Erzählung von John Howison (Vanderdecken’s Message Home) ausgebreitet. Ausgehend vom im 17. Jhr. lebenden Kapitän Bernard Fokke, der aufgrund der Schnelligkeit seines Schiffs im Verdacht stand, ein Teufelsbündner zu sein, nannte Blackwood ihn in seiner Geschichte Hendrick »Vanderdecken«. Auch berichtetet er von Briefen an längst Verstorbene, die anderen Schiffen zur Übergabe angeboten werden, die aber, wenn sie angenommen werden, Unglück bringen. Hier schwört der Kapitän, das Kap der Guten Hoffnung zu umrunden, auch wenn es bis zum Tag des Jüngsten Gerichts dauern sollte.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 7

Walter Scott (1771-1832), einer der populärsten Romanciers seiner Zeit und Vorlagenlieferant für viele romantische Opern, war der erste, der das Schiff als Piratenschiff bezeichnete und 1812 in den Anmerkungen zu seinem Gedichts »Rokeby« (das nichts mit dem Fliegenden Holländer zu tun hat) schrieb, dass das Schiff »ursprünglich ein mit großem Reichtum beladenes Schiff war, an dessen Bord ein schrecklicher Akt des Mordes und der Piraterie begangen worden war« und dass die Erscheinung des Schiffes »von den Seeleuten als das schlimmste aller möglichen Vorzeichen betrachtet wird«. Das Motiv des Holländers als Piratenschiff dürfte Scott direkt von seinem Freund und Kollegen John Leyden übernommen haben – so erklärt sich auch der seltsame Reichtum des »bleichen Mannes« in Wagners Oper.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 6

Mit dem irischen Dichter und Balladensänger Thomas Moore kommen wir 1804 zum ersten Mal in das Gebiet der konkreten Holländer-Poesie. In den »Verses Written on Passing Deadman’s Isle in the Gulf of St. Lawrence« heißt es: »See you, beneath yon cloud so dark, / Fast gliding along a gloomy bark? / And there blows not a breath her sails to fill! […] To Deadman’s Isle, in the eye of the blast, / To Deadman’s Isle, she speeds her fast; / By skeleton shapes her sails are furled, / And the hand that steers is not of this world!« Auf Deutsch: »Siehst du, wie unter der dunklen Wolke, / Eine düstere Barke schnell dahingleitet? / Und es weht kein Hauch, ihre Segel zu füllen! Zur Insel der Toten, im Auge des Windes, / Zur Insel der Toten fährt sie schnell; / Mit Skelettgestalten sind ihre Segel gerollt, / Und die Hand, die steuert, ist nicht von dieser Welt!« Die »Skelettgestalten«, die »nicht von dieser Welt sind« und das unheimliche Schiff antreiben, konnte man früher in manch gespenstischer Inszenierung des »Fliegenden Holländers« erblicken.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 5

Die Schuld, die den Holländer ruhelos über die Meere jagt, wurde 1797 zum ersten Mal literarisiert. Samuel Taylor Coleridge liess in seinem »Rime of the Ancient Mariner« einen alten Seemann einen Albatros mutwillig erschießen. Als er die Schönheit der Schöpfung erkennt, darf er zwar wieder an Land, doch muss er jedem, dem er begegnet, den Tiermord beichten. Sechs Jahre später definierte John Leyden in seinen »Scenes of Infancy« (Edinburgh 1803) die Schuld wesentlich ungenauer. Demnach soll sich die ganze Besatzung des Holländerschiffs »in den Anfängen der Seefahrt eines schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht haben und von der Pest heimgesucht worden sein.« Daher muss sie den Ozean, auf dem sie umgekommen ist, so lange  durchqueren, »bis die Zeit ihrer Buße abgelaufen ist«.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 4

1795 veröffentlichte der irische Taschendieb und spätere australische Polizeichef George Barrington seinen Reisebericht »A voyage to New South Wales«, in dem er von einem holländischen Kriegsschiff berichtet, das vor einigen Jahren vor dem Kap der Guten Hoffnung verloren ging, wobei »jede Seele an Bord umkam«, während ein Begleitschiff heil das Kap erreichte. Später wurde genau dieses Schiff fast auf demselben Breitengrad vom Sturm angegriffen, Barrington war dabei: »In der Nachtwache sahen einige der Leute ein Schiff, das für sie unter dem Druck der Segel stand, als würde es sie überrennen, oder stellten sich vor, sie sähen es, als würde es sie überrennen; besonders einer bestätigte, dass es das Schiff war, das bei dem früheren Sturm untergegangen war, und dass es sicherlich sie oder ihre Erscheinung sein musste; aber beim Aufklaren verschwand das Objekt.« Für den aufgeklärten Barrington war dieses Phantom lediglich eine dunkle, dicke Wolke, für den betrunkenen Bootsmann ein Gespensterschiff: »Es muss sicherlich der Geist jenes Holländers sein, der auf diesem Breitengrad unterging und der, wie ich gehört habe, in diesem Viertel immer wieder in harten Windstürmen auftaucht.«

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.