Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 5

Die Schuld, die den Holländer ruhelos über die Meere jagt, wurde 1797 zum ersten Mal literarisiert. Samuel Taylor Coleridge liess in seinem »Rime of the Ancient Mariner« einen alten Seemann einen Albatros mutwillig erschießen. Als er die Schönheit der Schöpfung erkennt, darf er zwar wieder an Land, doch muss er jedem, dem er begegnet, den Tiermord beichten. Sechs Jahre später definierte John Leyden in seinen »Scenes of Infancy« (Edinburgh 1803) die Schuld wesentlich ungenauer. Demnach soll sich die ganze Besatzung des Holländerschiffs »in den Anfängen der Seefahrt eines schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht haben und von der Pest heimgesucht worden sein.« Daher muss sie den Ozean, auf dem sie umgekommen ist, so lange  durchqueren, »bis die Zeit ihrer Buße abgelaufen ist«.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 4

1795 veröffentlichte der irische Taschendieb und spätere australische Polizeichef George Barrington seinen Reisebericht »A voyage to New South Wales«, in dem er von einem holländischen Kriegsschiff berichtet, das vor einigen Jahren vor dem Kap der Guten Hoffnung verloren ging, wobei »jede Seele an Bord umkam«, während ein Begleitschiff heil das Kap erreichte. Später wurde genau dieses Schiff fast auf demselben Breitengrad vom Sturm angegriffen, Barrington war dabei: »In der Nachtwache sahen einige der Leute ein Schiff, das für sie unter dem Druck der Segel stand, als würde es sie überrennen, oder stellten sich vor, sie sähen es, als würde es sie überrennen; besonders einer bestätigte, dass es das Schiff war, das bei dem früheren Sturm untergegangen war, und dass es sicherlich sie oder ihre Erscheinung sein musste; aber beim Aufklaren verschwand das Objekt.« Für den aufgeklärten Barrington war dieses Phantom lediglich eine dunkle, dicke Wolke, für den betrunkenen Bootsmann ein Gespensterschiff: »Es muss sicherlich der Geist jenes Holländers sein, der auf diesem Breitengrad unterging und der, wie ich gehört habe, in diesem Viertel immer wieder in harten Windstürmen auftaucht.«

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 3

Die erste literarische Überlieferung der Sage, die das Motiv des Kaps, aber nicht das der Wette mit dem Teufel enthält, wurde 1790 von John MacDonald in seinen »Travels in various parts of Europe, Asia and Africa during a series of thirty years and upward« festgehalten: »Das Wetter war so stürmisch, dass die Seeleute sagten, sie hätten den Fliegenden Holländer gesehen. Die gemeinsame Geschichte ist, dass dieser Holländer bei schlechtem Wetter zum Kap kam und in den Hafen einlaufen wollte, aber keinen Lotsen zum Dirigieren bekommen konnte und sich verirrt hatte, und dass seither bei sehr schlechtem Wetter dessen Erscheinung auftaucht« – die gewöhnlichen optischen Täuschungen auf dem Meer zu verdanken ist.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 2

Wer im Wasser der Überlieferung taucht, wird auf die Ursprünge der Sage stoßen, die bis in das Ende des 15. Jahrhunderts reichen, als der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz es erstmals 1487/88 unternahm, das lebensgefährliche Kap der Guten Hoffnung zu umschiffen, wo er im Jahre 1500 den Tod in den Wellen fand. Dass Julius Vanderdecker, der 1821 zum ersten Mal mit der Holländer-Sage in Verbindung gebracht wird, 1553 geboren wurde und im spanischen Jute-Handel tätig war, passt also trefflich zu der Legende, die im 17. Jahrhundert weiteres Material erhielt, als die holländischen Calvinisten unnachgiebig mit den Portugiesen um die Wette fuhren, um sich ein Kolonialreich zu erobern – und dabei mit Tod und Teufel kämpften und oft ihr Leben riskierten.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 1

Erste literarische Ausformungen der Gestalt eines sich selbst überschätzenden und damit widergöttlichen Seefahrers finden sich bereits in der Antike. Homers Odysseus wurde Jahrhunderte später von Dante in seine »Divina Commedia« gesetzt, denn der Weg nach Osten führte den antiken Helden geradewegs zum Läuterungsberg, an dem das Schifflein mitsamt der treuen Besatzung zerschellte: »Der Steven sank, wie man es oben wollte / Bis über uns die Wogen rollten weg.« So teilt es die Stimme des unglücklichen Seemanns im achten Höllenkreis dem Jenseitswanderer Dante mit: »Als es geschah, dass ich mich von der Zauberin Kirke wandte, da konnte nichts den Durst nach Kenntnis von dem Weltgetriebe in mir verlöschen.« Grund genug für einen christlichen Poeten des frühen 14. Jahrhunderts, den neugierigen Kapitän in die Hölle zu versetzen, nachdem er in der Antarktis, am Pol der südlichen Erdhalbkugel, scheiterte.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.