Ringwörterbuch • Alp / Albe

Alberich wird nicht grundlos von den Rheintöchtern und den Göttern als »Alp« bezeichnet und -schimpft, aber Alp (im Mittelalter ein gespenstisches Wesen und ein Gehilfe des Teufels) und Albe hängen so eng zusammen wie Alberich und der auch sprachlich verbundene Elfenkönig Oberon (altfranzösisch: Auberon), wobei »Alb« im Angelsächsischen »älf« heißt, das unserem »Elf« entspricht. Wird der eine als hässlicher Zwerg charakterisiert, so Shakespeares Elfenkönig als Lichtgestalt, quasi als »Lichtalbe« – Schwarzalben und Lichtalben, also die Söhne Nibelheims und Wallhalls, gehören dialektisch und sprachgeschichtlich wie zwei verwandte Brüder zusammen. »Albe« und »elber« sind im Mittelhochdeutschen identisch, »Alp« wurde im Lauf der Sprachgeschichte auf den negativen Bereich beschränkt: auch im Sinn des mitteldeutschen »Tor«, »Narr« oder »Idiot«. Wenn Wotan den Alberich anfährt: »Rasest du, schamloser Albe?«, ist gewiss auch letztere Bedeutung gemeint.

Ringwörterbuch • Sparen

Wotan will das Liebesspiel um Wandel und Wechsel nicht sparen, bevor er Donner befiehlt, seines Hammers Heft zu sparen. Durch Loge erfahren wir, dass wir es uns sparen können, den Ring aus dem Gold zu gewinnen. Froh fordert von Wotan, das Gold nicht zu sparen und den Ring den Riesen zu geben. Schließlich meint Hagen: »Doch meinem Speere spart‘ ihn sein Meineid?« Brünnhilde teilt ihm mit, dass sie, weil Siegfried niemals dem Feind wich, ihren Segen an Siegfrieds Rücken gespart habe. »Meinem Speere war er gespart, bei dem er Meineid sprach«, sagt Hagen schlussendlich.

Ursprünglich bedeutete »sparen« (altnordisch spara, althochdeutsch sparen) etwas unverletzt im guten, ordentlichen Zustand erhalten, also bewahren und schätzen. Von hier ging es über die »schonende Rücksicht« seit dem 16. Jahrhundert zur Unterlassung und Hinderung einer unnützen wie verwerflichen Handlung, schließlich zum heutigen Begriff – so wie man Geld spart, hält man buchstäblich etwas zurück: wie Donner den Hammer, wie Wotan (zunächst) den Ring, wie Brünnhilde ihren Segen. Im neuenglischen »to spare« ist der ältere Begriff noch enthalten: Wotan soll, in diesem Sinne, den Ring nicht schonen (indem er ihn in sein Sparkästchen tut), sondern weggeben – so wie Donner nicht verschwenderisch seinen Hammer abnützen soll und Hagens Speer für den Stich in Siegfrieds Rücken bewahrt wurde, wobei er »sunder sparn«, wie man im Mittelalter gesagt hätte, also (fast) ohne Verzug, kurzen Prozess mit Siegfried macht.

Ringwörterbuch • Neid

Das böse Wort gehört zu den Lieblingsworten der Protagonisten des «Ring» – auch in den Kombinationen Neides-Zoll, Neid-Höhle und all den anderen mit «Neid» gebildeten Begriffen. Ursprünglich bezeichnete es im gotischen «neid» und althochdeutschen «nit» nicht die negative Eigenschaft des Hasses, sondern des (Kampf-)Eifers, auch im Sinne eines Wettstreits. Im «Ring» findet sich allein die jüngere Bedeutung der Missgunst und des Hasses, die eine Zeit lang neben dem positiv besetzten guten Neid noch herlief. Vom bloßen Einsatz im Kampf war es nicht weit zum tödlichen Streit, der mit dem Wunsch der Vernichtung des Gegners oder dem Ziel einhergeht, ihn, weil man neidisch ist, zu berauben: so wie Alberich, der sein Gut, den Ring, naturgemäß nur mit seinem Neid wiedererlangen kann. Im «Rheingold» hatte er Wotan und Loge klar analysiert: «Nach Nibelheim führt Euch der Neid» auf den Ring. Sein Fluch richtet sich seltsamerweise auch gegen sich selbst: «Wer ihn nicht hat, den nage der Neid» – also der Eifer, den im «Neidspiel» mit den Rheintöchtern errungenen Ring buchstäblich neidisch und als «Neiding» (wie es in der «Walküre» heißt) wiederzuer-ring-en.

Ringwörterbuch • Nicker

Sowohl Alberich als auch Wotan bezeichnen die Rheintöchter als »Nicker«. Wagner gelang mit dieser Wortfindung ein Coup, denn sie stammt nicht vom körperlichen Nicken ab, sondern vereinigt die schon im Althochdeutschen bezeugte »nicchessa« (maskulin: »nicchus«), also »Nixe«, mit dem niederdeutschen »Necker«. Der Zwerg und der Gott nehmen die Rheintöchter schon sprachlich als das, was sie in der ersten Szene des »Rheingold« sind: als Wasserwesen, die die männlichen Wesen schadenfroh reizen. Ursprünglich bedeutet »nackeit« noch die stärkere »Bosheit« – in Bezug auf den Nixennachsteller Alberich sind sie zweifellos böse, wovon der Zwerg zu Beginn der Szene unbewusst etwas zu ahnen scheint.

Ringwörterbuch • Dangst

»Wohl was mit den Riesen dort im Rate du dangst?« So weist Loge Wotan auf die Vertragsverhandlungen bezgl. des Burgbaus hin. »Dangen«, das ansonsten nicht im Ring vorkommt, ist das Präteritum von »dingen«.

Wir kennen es aus dem Lohengrin: Der Heerrufer verkündet dort, dass König Heinrich mit den Brabantern dingen möchte. Ursprünglich bedeutete das aus dem Indogermanischen stammende Worte wohl das Übereinkommen und/oder die Versammlung. Im Begriff »Thing« hat sie sich noch erhalten: sowohl in der Volks- und Gerichtsversammlung mit ihren »Rechtssachen« (den juristischen Fällen, die vor Gericht kommen) als auch im neuenglischen »thing«. Letzteres bezeichnet, in starker Verallgemeinerung des ursprünglich rechtshistorischen Begriffs, irgendeine »Angelegenheit« oder »Sache« – im juristischen Sinne jene, die verhandelt wird. Wenn Loge im Rheingold die Bedingungen der Erbauung Walhalls erwähnt, verweist das Präteritum eher auf die erstgenannte Bdeutung des Dingens, weil die beiden Vertragsparteien übereinkamen, den Bau der Burg mit der Göttin Freia zu bezahlen.