Meistersingerwörterbuch • Singschul

Für David ist die Versammlung der Meistersinger in der Kirche eine Freiung, Pogner und die Meister aber reden von der Singschul. Damit meinen sie den Ort, in dem nach heutigem Sprachgebrauch eine Versammlung der Meistersinger stattfindet. Zu Zeiten des Hans Sachs meinte Singschul noch neben der Bedeutung „Unterricht unerfahrener Sänger“ die Sing-Veranstaltung, also das Wettsingen der versammelten Meistersinger. Heute würden wir von einem „Konzert“ reden.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Meistersingerwörterbuch • Ansager

Zwar wird Fritz Kothner von Wagner nicht ausdrücklich als Ansager bezeichnet, doch versieht er genau dieses historisch bezeugte Amt. Innerhalb der extrem bürokratisierten Hierarchie der Meistersingervereine und ihrer Versammlungen, wie sie sich im Lauf des 16. Jahrhunderts ausbildete, versieht er die Funktionen des Sekretärs bzw. des Vereinsvorsitzenden. Damit befindet er sich auf hierarchisch gleicher Höhe mit dem  Merker. Kothner hat die Aufgabe, bei der Bewerbung Stolzings um Vereinsmitgliedschaft die Tabulatur zu verlesen und den Wettbewerb auf der Festwiese offiziell einzuleiten.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Weihnachten • Christmas • Noël

Weihnachten2016Wir wünschen allen Mitgliedern und Freunden ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr.

We are wishing all members and friends a Merry Christmas and a Happy New Year.

Nous souhaitons à tous nos adhérents et amis une très heureuse fêtes de Noël et une très bonne année.

 

Parsifalwörterbuch • Gral

»Wer ist der Gral? Das sagt sich nicht«, sagt Gurnemanz.
Tatsächlich hat sich die Bedeutung des »dinc« (wie es von Wolfram von Eschenbach, dem Dichter des Parzival, um 1200 bezeichnet wird) längst von seiner ursprünglichen Bedeutung emanzipiert.
Im Altfranzösischen bedeutet graal einfach Vorlegeschüssel. Das Wort hängt zusammen mit der frankolateinischen, in dieser Schreibweise erstmals 1010 bezeugten gradalis, einer großen, etwas vertieften Platte, in der den Wohlhabenden die kostbarsten Speisen gereicht wurden. Vermutlich leitet sich dieser Begriff vom griechischen kratér ab (ein Krug/Kessel für Wein).
Erst Ende des 12. Jahrhunderts wurde in der französischen Grals-Epik das »dinc« mit einer Christus-Reliquie verbunden und erfunden: mit dem Gefäß – einer Schale oder, wie im Parsifal, einem wundertätigen, lebensspendenden Kelch, der beim letzten Abendmahl in Einsatz kam, und mit welchem das Blut Christi am Kreuz aufgefangen wurde.
Neuere Herleitungen des Gral aus dem sang real (dem königlichen Blut Christi) sind hübsch, aber unsinnig.

Da Parsifal in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan steht, haben wir uns vorgenommen, jeden Monat einen besonderen Begriff aus Wagners Wortschatz vorzustellen. Unser Autor ist der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek.