Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 2

Wer im Wasser der Überlieferung taucht, wird auf die Ursprünge der Sage stoßen, die bis in das Ende des 15. Jahrhunderts reichen, als der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz es erstmals 1487/88 unternahm, das lebensgefährliche Kap der Guten Hoffnung zu umschiffen, wo er im Jahre 1500 den Tod in den Wellen fand. Dass Julius Vanderdecker, der 1821 zum ersten Mal mit der Holländer-Sage in Verbindung gebracht wird, 1553 geboren wurde und im spanischen Jute-Handel tätig war, passt also trefflich zu der Legende, die im 17. Jahrhundert weiteres Material erhielt, als die holländischen Calvinisten unnachgiebig mit den Portugiesen um die Wette fuhren, um sich ein Kolonialreich zu erobern – und dabei mit Tod und Teufel kämpften und oft ihr Leben riskierten.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 1

Erste literarische Ausformungen der Gestalt eines sich selbst überschätzenden und damit widergöttlichen Seefahrers finden sich bereits in der Antike. Homers Odysseus wurde Jahrhunderte später von Dante in seine »Divina Commedia« gesetzt, denn der Weg nach Osten führte den antiken Helden geradewegs zum Läuterungsberg, an dem das Schifflein mitsamt der treuen Besatzung zerschellte: »Der Steven sank, wie man es oben wollte / Bis über uns die Wogen rollten weg.« So teilt es die Stimme des unglücklichen Seemanns im achten Höllenkreis dem Jenseitswanderer Dante mit: »Als es geschah, dass ich mich von der Zauberin Kirke wandte, da konnte nichts den Durst nach Kenntnis von dem Weltgetriebe in mir verlöschen.« Grund genug für einen christlichen Poeten des frühen 14. Jahrhunderts, den neugierigen Kapitän in die Hölle zu versetzen, nachdem er in der Antarktis, am Pol der südlichen Erdhalbkugel, scheiterte.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Ringwörterbuch • Klinze

»Dass die engste Klinze dich fasse, wo bang die Kröte sich birgt« – »Hieher! die Klinze verklemmt!«: Loge möchte, dass sich Alberich so klein macht, dass er in einem Spalt verschwinden könnte, der so groß ist wie die Stelle, die Fafner beim aufgeschichteten Hort entdeckt.
Im Mittelhochdeutschen ist das Wort (anders als im Englischen, wo es die »clint« gibt) noch nicht nachweisbar, stattdessen aber »Klumse« bzw. »Klunse«. Wagner war die »Klinse« zweifellos durch die sächsische Mundart vertraut, wo sie eine Spalte in Dielen, Türen und Treppenstufen bezeichnet, durch die man durchzulugen vermag wie Fafner durch den Hort. Später wird Hans Sachs durch eine Klinze im Fensterladen seines Hauses schauen. Literarisch veredelt wurde die Klinze übrigens durch eine wichtige Stoffgrundlage für die »Meistersinger«: Schlegels Übersetzung des »Sommernachtstraums«, in dem Pyramus und Thispe im Handwerkerspiel durch die Klinze wispern.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • Gauch

Der frevelnde und der garstige Gauch – so werden Alberich und Mime von Wotan und Siegfried beschimpft. Im »Kuckuck« steckt noch die ursprünglichste Bedeutung des Wortes, denn aus dem althochdeutschen »couch« wurde dank Verdoppelung des Kehllauts später der Vogel. Bereits im Althochdeutschen wurden der Dumme und der Gauch parallelisiert, im englischen »gowk« hat sich die Doppelbedeutung gleichfalls erhalten. Die Abstammung des Gauchs vom Kuckuck wurde allerdings schnell vergessen. Unter den Bedeutungen des Worts ragt die allgemeine Bezeichnung (im Gegensatz zur speziellen: Hahnrei, Buhler) mit der weiteren Ausdifferenzierung »Schelm« oder »Feigling« hervor.. In diesem Sinne sind sowohl Alberich als auch Mime Schelme, also Betrüger – und Alberich auch ein Narr, wenn er Wotan und Loge in Nibelheim provoziert.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • Friedel

»Mein Friedel sei, du fräuliches Kind« – Alberichs intime Bezeichnung stammt vom althochdeutschen »friudil« ab und bedeutet je nach Gelegenheit Geliebte/r, Braut/Bräutigam oder Gattin/Gatte. Somit hat das Wort die gleiche Wurzel wie das verwandte »Freund«, denn das gotische »Frijon« stammt ebenfalls vom sanskritischen »pri« ab, was neben »lieben« auch »erfreuen« heißt. Diese Wurzel ist in den slawischen Sprachen noch vorhanden, z.B. im russischen »prijatel« = Freund. Freien, freuen, Freund, froh und Friedel hängen also eng zusammen – auch wenn die Rheintöchter sich gewiss nicht darüber freuen würden, wenn ihnen Siegfried, wie in der Götterdämmerung angekündigt, den entkommenen Bären überließe.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.