Ringwörterbuch • Huie

Wagner hat selbst die Herkunft in einem Brief von 1874 benannt: »Der ‚Huie‘ kommt auch schon einmal vor, als alte Nachbildung ‚Hui! wie jagt er!’«. Der Huie taucht im Siegfried tatsächlich zweimal auf: »Wie führ‘ ich den Huien zu Fafners Nest?«, fragt Mime, und später sagt er: »So hätt‘ ich den Huien gefangen«.
Wagner erfand dieses Substantiv auf der Basis des sprachgeschichtlich jungen Verbs »huien«, das besonders im Süddeutschen und in der Schweiz (dort als »hujen«), wo Wagner den Text zum Ring schrieb, gebräuchlich ist. Abgeleitet vom Befehlsausruf »Hui!«, der in der Frühen Neuzeit zunächst zu raschem Handeln antreiben sollte, heißt es nichts anderes für den Huien als »schnell tun«. Siegfried ist sozusagen huiglich, wenn er kurz darauf dem Zwerg (relativ) rasch das Schwert in den Körper stößt.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • Harst

Das Wort taucht gleich dreimal in der Walküre auf: von »Hetze und Harst« kehrten, so Siegmund, er und sein Vater einst heim, seine Waffen wurden ihm im Harst zerstört, und Sieglinde klagt Brünnhilde an, sie dem Harst entführt zu haben. »Harst« ist eine Nebenform zu »Harsch«, also der Schar, dem Heer oder dem Haufen, der denkbar harsch, also »rauh« vorgehen kann – im Harsch der Schneekruste, in der sich die einzelnen Kristalle zusammenballen, hat sich der Ausdruck noch erhalten. Im Schweizerischen bedeutet »Harsch« gelegentlich die Vorhut eines Heeres. Siegmund spricht also von einem militärischen »Haufen«, während Sieglinde die übertragene Bedeutung des Worts – im Sinne des Kampfes – benützt: so wie Mime, der weiß, dass Siegfried den Hort und den Ring im Harst errang: gegen den Einzelkämpfer Fafner, der zwar harsch, doch niemals Teil eines Harsts sein kann.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.