Ringwörterbuch • Klinze

»Dass die engste Klinze dich fasse, wo bang die Kröte sich birgt« – »Hieher! die Klinze verklemmt!«: Loge möchte, dass sich Alberich so klein macht, dass er in einem Spalt verschwinden könnte, der so groß ist wie die Stelle, die Fafner beim aufgeschichteten Hort entdeckt.
Im Mittelhochdeutschen ist das Wort (anders als im Englischen, wo es die »clint« gibt) noch nicht nachweisbar, stattdessen aber »Klumse« bzw. »Klunse«. Wagner war die »Klinse« zweifellos durch die sächsische Mundart vertraut, wo sie eine Spalte in Dielen, Türen und Treppenstufen bezeichnet, durch die man durchzulugen vermag wie Fafner durch den Hort. Später wird Hans Sachs durch eine Klinze im Fensterladen seines Hauses schauen. Literarisch veredelt wurde die Klinze übrigens durch eine wichtige Stoffgrundlage für die »Meistersinger«: Schlegels Übersetzung des »Sommernachtstraums«, in dem Pyramus und Thispe im Handwerkerspiel durch die Klinze wispern.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • Gauch

Der frevelnde und der garstige Gauch – so werden Alberich und Mime von Wotan und Siegfried beschimpft. Im »Kuckuck« steckt noch die ursprünglichste Bedeutung des Wortes, denn aus dem althochdeutschen »couch« wurde dank Verdoppelung des Kehllauts später der Vogel. Bereits im Althochdeutschen wurden der Dumme und der Gauch parallelisiert, im englischen »gowk« hat sich die Doppelbedeutung gleichfalls erhalten. Die Abstammung des Gauchs vom Kuckuck wurde allerdings schnell vergessen. Unter den Bedeutungen des Worts ragt die allgemeine Bezeichnung (im Gegensatz zur speziellen: Hahnrei, Buhler) mit der weiteren Ausdifferenzierung »Schelm« oder »Feigling« hervor.. In diesem Sinne sind sowohl Alberich als auch Mime Schelme, also Betrüger – und Alberich auch ein Narr, wenn er Wotan und Loge in Nibelheim provoziert.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • Friedel

»Mein Friedel sei, du fräuliches Kind« – Alberichs intime Bezeichnung stammt vom althochdeutschen »friudil« ab und bedeutet je nach Gelegenheit Geliebte/r, Braut/Bräutigam oder Gattin/Gatte. Somit hat das Wort die gleiche Wurzel wie das verwandte »Freund«, denn das gotische »Frijon« stammt ebenfalls vom sanskritischen »pri« ab, was neben »lieben« auch »erfreuen« heißt. Diese Wurzel ist in den slawischen Sprachen noch vorhanden, z.B. im russischen »prijatel« = Freund. Freien, freuen, Freund, froh und Friedel hängen also eng zusammen – auch wenn die Rheintöchter sich gewiss nicht darüber freuen würden, wenn ihnen Siegfried, wie in der Götterdämmerung angekündigt, den entkommenen Bären überließe.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • freislich

Wotan bezeichnet den Felsen, auf dem Brünnhilde ruht, als »freislich«, weil dieser vom Feuer umlodert wird. Dies bezeichnet die erste Bedeutung des althochdeutschen »vreislih«: schrecklich, angsteinflößend. »Vreise« bezeichnet ursprünglich die Gefahr, die Not, aber auch die Grausamkeit, sogar dass Gericht über Leben und Tod, vielleicht abstammend vom gotischen »freisan« = jemanden versuchen = in Gefahr bringen. Wenn Hagen den Mannen ankündigt, dass Siegfried ein »freisliches Weib« an den Rhein bringt, so wird das Adjektiv mehrdeutig, indem es zum einen die wütende, zum anderen die Verderben bringende Frau charakterisiert. Siegfried ist übrigens (anders als der Siegfried des Nibelungenliedes) nicht freislich – erst Parsifal wird später von Kundry so bezeichnet.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

Ringwörterbuch • Huie

Wagner hat selbst die Herkunft in einem Brief von 1874 benannt: »Der ‚Huie‘ kommt auch schon einmal vor, als alte Nachbildung ‚Hui! wie jagt er!’«. Der Huie taucht im Siegfried tatsächlich zweimal auf: »Wie führ‘ ich den Huien zu Fafners Nest?«, fragt Mime, und später sagt er: »So hätt‘ ich den Huien gefangen«.
Wagner erfand dieses Substantiv auf der Basis des sprachgeschichtlich jungen Verbs »huien«, das besonders im Süddeutschen und in der Schweiz (dort als »hujen«), wo Wagner den Text zum Ring schrieb, gebräuchlich ist. Abgeleitet vom Befehlsausruf »Hui!«, der in der Frühen Neuzeit zunächst zu raschem Handeln antreiben sollte, heißt es nichts anderes für den Huien als »schnell tun«. Siegfried ist sozusagen huiglich, wenn er kurz darauf dem Zwerg (relativ) rasch das Schwert in den Körper stößt.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.