Der Bayreuther Sommer 2019 • Ein Ausblick

Es wird lebendig am Grünen Hügel: Die ersten Saison-Mitarbeiter aus der Technik kommen dieser Tage in Bayreuth an, in den nächsten sechs Wochen folgen nach und nach die Regie-Teams, Solisten, Dirigenten, Orchestermusiker und Choristen. Auch die Freunde von Bayreuth bereiten sich auf den Festspielsommer vor, der aufgrund des 70-jährigen Bestehens unserer Gesellschaft in diesem Jahr ein ganz besonderer sein wird.

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Von Freund zu Freund • Der Ring in New York

Klaus Billand war in Sachen Wagner in New York unterwegs, wo an der Met nach sechs Jahren Pause die Ring-Produktion von Robert Lepage in drei Zyklen wieder aufgeführt wurde. Billand hatte die Inszenierung schon 2012 ausführlich besprochen, heute berichtet er über die Wiederaufnahme.

Unter dem Titel Von Freund zu Freund wollen Mitglieder der Freunde von Bayreuth Veranstaltungshinweise geben oder neu erschienene Tonaufnahmen, DVDs oder Bücher rund um Richard Wagner und seine Werke vorstellen. Die Beiträge stellen dabei die persönliche Ansicht des Autors dar.
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Tannhäuserfiguren • Heinrich der Schreiber

Ein Dichter namens »Heinrich der Schreiber« ist in der mittelhochdeutschen Literatur nicht bezeugt. In Wagners Quelle, dem Wartburgkrieg, gibt es den Sänger Heinrich von Ofterdingen, der im dramatischen Mittelpunkt der Handlung steht, doch kann es sich dabei nicht um die Vorbildfigur Heinrich den Schreiber handeln – denn Heinrich von Ofterdingen ist ein unmittelbarer Vorgänger des Wagnerschen Tannhäuser. Möglicherweise wollte Wagner also durch den Namen des Sängers, der stets im Ensemble agiert, doch nichts Eigenes zu sagen hat, ironisch auf die Figur verweisen, die im Tannhäuser vorhanden und doch nicht vorhanden ist.

Die meisten Figuren, die Richard Wagner in seinem Tannhäuser untergebracht hat, sind Personen der Geschichte, andere entstammen der Mythologie. Doch auch die historisch verbürgten Gestalten entsprechen nur teilweise dem, was wir über sie wissen. Da genau zehn Protagonisten solistisch auftreten und zwei kleine singende Gruppen gewöhnlich aus dem Personal des Chors besetzt werden, bietet es sich im Jahr der Neuinszenierung des Tannhäuser an, diese zwölf Personen und Kleingruppen von Frank Piontek auf ihre historische Realität überprüfen zu lassen.

Tannhäuserfiguren • Biterolf

Biterolf lebte im 13. Jahrhundert. Von seinen Werken ist nichts überliefert: weder seine Lieder noch eine Erzählung über Alexander den Großen. Die Tatsache, dass im »Wartburgkrieg« ein Spruchdichter Biterolf auftritt, muss nicht bedeuten, dass der historisch bezeugte Dichter mit der Figur aus diesem Text identisch ist. Im Sängerkrieg gehört diese Gestalt zu den sechs Dichtern – neben ihm u.a. Walther von der Vogelweide, Reinmar von Zweter und Wolfram von Eschenbach –, die im (auf das frühe 13. Jh. zurückgehende) »Fürstenlob« vor Landgraf Hermann und der Landgräfin von Thüringen die Frage erörtern, wer den besten Fürsten auf die beste Weise zu rühmen verstehe.

Die meisten Figuren, die Richard Wagner in seinem Tannhäuser untergebracht hat, sind Personen der Geschichte, andere entstammen der Mythologie. Doch auch die historisch verbürgten Gestalten entsprechen nur teilweise dem, was wir über sie wissen. Da genau zehn Protagonisten solistisch auftreten und zwei kleine singende Gruppen gewöhnlich aus dem Personal des Chors besetzt werden, bietet es sich im Jahr der Neuinszenierung des Tannhäuser an, diese zwölf Personen und Kleingruppen von Frank Piontek auf ihre historische Realität überprüfen zu lassen.