Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 11

1834 publizierte Heinrich Heine seine Erzählung »Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski«. Diese Version sollte zur wichtigsten und unmittelbaren literarischen Quelle für Wagners Oper werden, deren Urfassung nicht zufällig in Schottland spielt. Herr von Schnabelewopski berichtet im 7. Kapitel vom Besuch einer Theateraufführung in Amsterdam, in der das Stück vom Holländer gespielt wird: mit den bekannten 7 Jahren, dem Bild mit dem bleichen Mann, dem Handel mit dem (schottischen) Kaufmann, der verkauften Braut, dem Treueschwur bis zum Tod, dem Sprung in die Fluten und der »Erlösung« des Holländers. Der Unterschied zu Wagners Version besteht darin, dass Heine durch die Rahmenhandlung die Geschichte satirisch kommentierte und seine Interpretation der Fabel mit einer Moral beendete: »Die Moral des Stückes ist für die Frauen, daß sie sich in acht nehmen müssen, keinen Fliegenden Holländer zu heuraten; und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zugrunde gehn.«

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der B

Lesen, Sehen und Hören

Seit rund einer Woche laufen die Bayreuther Festspiele. Zwar in diesem Jahr unter Corona-Maßnahmen mit Chorübertragung, Maske und weniger Publikum, der künstlerischen Leistung tut dies jedoch keinen Abbruch.

Wir haben einige Impressionen der Inszenierungen, wie auch verschiedene Pressestimmen der letzten Tage für Sie zusammengestellt.

FAZ (31. Juli 2021, Jan Brachmann): „Explosionen und Lebenslust“

Süddeutsche Zeitung (30. Juli, Reinhard j. Brembeck): „Farborgien und Monsternymphen“

BR Klassik: „Mehr geht nicht – Premierenkritik – Tannhäuser bei den Bayreuther Festspiele“:

BR Podcast (27. Juli 2021, Fridemann Leipold): „Nachkritik – Die Meistersinger von Nürnberg in Bayreuth

Die Neuproduktion „Der fliegende Holländer“ ist noch bis zum 31. August 2021 in der Mediathek von 3Sat zu erleben.

Bayreuther Festspiele 2021 • am Grünen Hügel und virtuell

In wenigen Stunden hebt sich der Vorhang für die 109. Bayreuther Festspiele zur Premiere von »Der fliegende Holländer«.

Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth begrüßt die Gäste in dieser Festspielsaison in ihrem Sommer-Büro. An allen Spieltagen finden Sie uns im oberen Teil des Restaurant-Gebäudes, von 10 bis 12 Uhr, ab zwei Stunden vor der Vorstellung sowie in der ersten Pause. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

 

Alle Mitglieder, die dieses Jahr nicht auf den Grünen Hügel kommen können, möchten wir herzlich aus Bayreuth grüßen.

In diesem Jahr präsentieren die Bayreuther Festspiele in Kooperation mit der Deutschen Grammophon einige Werke virtuell, um auch Wagner-Liebhabern fern von Bayreuth digitale Festspiele zu ermöglichen. Zwischen dem 26. Juli und dem 24. August können unter www.festspiele-online.de die Produktionen  »Die Meistersinger von Nürnberg« (2017, Philippe Jordan, Barrie Kosky), »Der Ring des Nibelungen« (2013, Frank Castorf, Kirill Petrenko), »Tristan und Isolde« (2015, Katharina Wagner, Christian Thielemann), »Lohengrin« (2018, Yuval Sharon, Christian Thielemann) sowie »Tannhäuser« (2019, Tobias Kratzer, Valery Gergiev) kostenfrei zu erleben sein.

© Fotos: Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V.

Ring 20.21 • Immer noch Loge

Der Kartenvorverkauf für die Uraufführung Das Rheingold – Immer noch Loge (Inszenierung Nikolaus Habjan, Komposition Gordon Kampe) hat nun begonnen. Im Ticketshop ticketmaster.de können Karten für 29,50 Euro erworben werden.

Das Rheingold – Immer noch Loge wird im Rahmen des DISKURS BAYREUTH am Teich im Festspielpark aufgeführt. Aus welchen Erfahrungen und Themen Hochgatterer in seinen Werken schöpft, können Sie im Podcast Mehr als ein Krimi auf Deutschlandfunk Kultur nachhören. 

Interessant sei für den Autor beim Schreiben stets, eine Sache von mehreren Perspektiven zu betrachten. Und ebenso, wie sich diese verändern, wenn der Betrachter den Standpunkt verändert, so Hochgatterer. Auch aus seiner Erfahrung als Kinderpsychiater schöpfe er beim Schreiben.

Neben vielen literarischen Werken verfasste Hochgatterer für die Bühne CASANOVA oder Giacomo brennt (Sommerspiele Melk 2008), Makulatur (Schauspielhaus Wien, UA 2012) sowie Böhm (Schauspielhaus Graz, UA 2018). Böhm, in der Inszenierung und mit Nikolaus Habjan, war nominiert für den Nestroy-Theaterpreis 2018 in der Kategorie „Beste Bundesländer-Aufführung“.

Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 10

1825 veröffentlichte Wilhelm Hauff im »Märchen-Almanach auf das Jahr 1826« seine »Geschichte von dem Gespensterschiff«. Inspiration war ihm entweder die Sagenfassung in »Vanderdecken’s Message Home«, die 1821 im Stuttgarter» Morgenblatt für gebildete Stände« gedruckt wurde, oder Walter Scotts »Rokeby«. Hauffs Gespensterschiff wird von Leichen bevölkert, die sich nicht von der Stelle bewegen lassen. Der Kopf des (un)toten Kapitän ist mit einem Nagel an einem Schiffsmast befestigt, nachts erwachen er und der Steuermann, um in der Kajüte zu singen und zu trinken. Als die Toten an Land gebracht werden, zerfallen sie zu Staub. Bevor auch der Kapitän das Zeitliche segnet, berichtet er, dass er und die anderen Seeräuber einst einen frommen Derwisch ermordeten; zur Strafe hätten sie so lange als Untote leben müsse, bis sie das Meer in den Abgrund zog. So aber fanden sie an Land ihre Erlösung.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.