Tannhäuserfiguren • Drei Grazien

Die römischen Grazien entsprechen den griechischen Chariten, die als »Untergöttinnen« den Göttern dienend zur Seite stehen: insbesondere Aphrodite/Venus. Gezeugt wurden sie von Zeus, doch die antiken Schriftsteller nannten nicht weniger als zehn verschiedene Mutternamen, auch unterschiedliche Eltern, z.B. Hekate und Hermes oder Dionysos und Hera. Hesiod kannte drei Grazien: Aglaia (»die Glänzende« oder »Strahlende«, bei Hesiod Gemahlin des Hephaistos), Euphrosyne (die »Frohsinnige«) und Thalia (»die Festfreude« oder »die Blühende«). Der Römer Cornutus ließ sie von der Freude (»chara«, lateinisch »gratia«) abstammen. Da sie, die gelegentlich auch als Mondgottheiten auftraten, nach Vergil Kinder des Bacchus und der Venus waren, ergibt sich wie von selbst die abendlich-nächtliche Kombination »Wein und Weib«, wozu bei Wagner noch Tannhäusers Gesang kommt.

Die meisten Figuren, die Richard Wagner in seinem Tannhäuser untergebracht hat, sind Personen der Geschichte, andere entstammen der Mythologie. Doch auch die historisch verbürgten Gestalten entsprechen nur teilweise dem, was wir über sie wissen. Da genau zehn Protagonisten solistisch auftreten und zwei kleine singende Gruppen gewöhnlich aus dem Personal des Chors besetzt werden, bietet es sich im Jahr der Neuinszenierung des Tannhäuser an, diese zwölf Personen und Kleingruppen von Frank Piontek auf ihre historische Realität überprüfen zu lassen.

70 Jahre GdF • Die Nullerjahre

Die Zeit ist geprägt von Veränderung und Neuerung. Abschiede werden gefeiert, Ideen entwickelt und Neues entsteht. Um die Durchführung der Festspiele auch langfristig zu sichern, wird 2001 die Stiftung Freunde von Bayreuth gegründet. Die Gesellschaft der Freunde zählt inzwischen über 5000 Mitglieder, rund ein Viertel von ihnen kommt aus dem Ausland. Dennoch stellt sich die Frage des Nachwuchses: Mit den »Jungen Freunden von Bayreuth« erhalten seit 2008 junge Wagner-Freunde die Möglichkeit, die Festspiele zu besuchen und das Werk Richard Wagners kennenzulernen.

Junge Freunde treffen sich im Festspielpark während der Pause einer Generalprobe

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Wolfgang Wagner • Erinnerungen zum 100. Geburtstag

Wolfgang Wagner bei einer Lohengrin-Probe 1968

Probe der Meistersinger 1984

An Wolfgang Wagner haben viele Freunde ihre ganz persönlichen Erinnerungen – sei es an sein Wirken als Festspielleiter oder als Bühnenbildner und Regisseur zahlreicher Produktionen am Grünen Hügel. Mit einem Festakt zu seinen Ehren wurde die diesjährige Festspielzeit eröffnet, Katharina Wagner begrüßte die Gäste mit den Worten: »Viele von Ihnen, verehrte Gäste, haben zweifellos ihre ganz eigenen Erinnerungen an meinen Vater und alle möglichen Anekdoten von ihm und über ihn im Kopf. Er war ein Mensch, über den zahllose Geschichten kursierten, wahre und erfundene, humorvolle und zornige, gute und natürlich auch unfreundliche. Irgendwann wird all dies mehr oder weniger vergessen sein, zumindest verblassen. Was aber bleiben wird, darüber sind wir uns sicherlich einig, ist sein nahezu 60-jähriges Lebenswerk für die Bayreuther Festspiele, die ohne ihn und seine Tätigkeit heute anders wären, als wir sie kennen.«
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Zahl des Tages

Orchestermusiker haben heute in der Meistersinger-Vorstellung Dienst. Viele davon sind nach der Vorstellung beim Orchesterapplaus, der in der Festspielsaison nur etwa vier Mal stattfindet, auf der Bühne zu sehen.