Lohengrins Juristisches Wörterbuch • dingen

Der Heerrufer verkündet, dass König Heinrich zu den Brabantern kam, um mit ihnen »zu dingen nach des Reiches Recht«. Die ursprüngliche Bedeutung des indogermanischen Wortes kann nur erschlossen werden: »þenga« bezeichnet das Übereinkommen und/oder die Versammlung. Im Begriff »Thing« hat sie sich noch erhalten: sowohl in der Volks- und Gerichtsversammlung mit ihren »Rechtssachen« (den juristischen Fällen, die vor Gericht kommen) als auch im neuenglischen »thing«. Letzteres bezeichnet, in starker Verallgemeinerung des ursprünglich rechtshistorischen Begriffs, irgendeine »Angelegenheit« oder »Sache« – im juristischen Sinne jene, die zu einem meist genau bestimmten Zeitpunkt (abgeleitet vom gotischen »þeihs« = „Zeit“) verhandelt wird. Wagner kannte vermutlich auch eine Ableitung des »Dingens«, wie sie heute noch gebraucht wird: »Dingliches Recht« (das Gericht betreffendes Recht), womit man den Begriff gleichsam dingfest machen kann. Im Rheingold werden sich Wotan und Fasolt über die »Bedingungen« der Erbauung Walhalls schließlich bedingungslos streiten.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

Von Freund zu Freund • Walküre in Düsseldorf

Wie viele andere Mitglieder der Freunde von Bayreuth ist Marcus Stahl in Sachen Wagner das ganze Jahr über in Deutschlands Opernhäusern unterwegs. Gemeinsam mit seiner Tochter Katharina, die Mitglied der Jungen Freunde von Bayreuth ist, besuchte er am 28. Januar 2018 in seiner Heimatstadt Düsseldorf die Premiere der Walküre (Inszenierung Dietrich W. Hilsdorf, musikalische Leitung Axel Kober). Seine persönlichen Eindrücke zur Premiere teilt er hier mit den Freunden von Bayreuth. Weiterlesen

Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Heerbann

»Des Königs Heerbann steht im 1. Akt zusammen mit Heinrich neben der Gerichtseiche. Im 3. Akt zieht er dann »mit seinem sächsischen Heerbann ein.

Der Begriff stammt vom mittellateinischen »heribannus« ab. »Bannus«, im Althochdeutschen »ban«, bezeichnet in seiner ursprünglichsten Bedeutung »sprechen« und zunächst allgemein die Regierungsgewalt des Königs oder eines Herzogs, der allein bevollmächtigt ist, ein Gebot (einen »Bann«) zu erteilen. Der Heerbann als Teil des Königsbanns gemäß der Reichsheeresverfassung des Heiligen Römischen Reiches ist bis ins 10. Jahrhundert nur eine von mehreren Bann-Arten: das Recht, das Heer und alle waffenfähigen freien Grundbesitzer zur Heerfahrt »aufzubieten«, d. h. zu einem Reichskrieg zu rüsten. König Heinrich bringt es auf den Punkt: »Den Heerbann übte ich zum Widerstand« (gegen die das Land bedrohenden Ungarn).

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

Meistersingerwörterbuch • Meisterlied

»Ein schönes Lied, ein Meisterlied: wie fass ich da den Unterschied?«, fragt Stolzing den Meister Hans Sachs. Ein Meisterlied ist jenes, das aus einer neuen Weise und einem neuen Ton besteht und »über vier Silben nicht eingreift in andrer Meister Weis«, wie der Ansager Kothner aus der Tabulatur verkündet. Ein Meisterlied eines Dichters darf also keinesfalls ein Plagiat oder Teilplagiat eines bereits bestehenden Liedes sein.
Wagners Meistersinger von Nürnberg sind – wenn man die drei Akte der Oper mit dem Musikwissenschaftler Alfred Lorenz formal als als einen vollständigen Bar betrachtet – in diesem Sinne nicht nur ein schönes Lied, sondern auch ein Meisterlied.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Eingeschneites Festspielhaus

Seit gestern mittag schneit es in Bayreuth, und das eingerüstete Festspielhaus mutet in all dem Weiß an, als wäre es ein Bühnenbild …