Ringwörterbuch • Jach

»Bestimm‘, in welcher Gestalt soll ich jach vor dir stehn?«, fragt Alberich Loge. »So jach sah ich nie Walküren jagen!«, meint Rossweisse. »Was jagt mir so jach durch Herz und Sinne?«, fragt sich Siegfried. »Ein gemächlicher Schlag […] treibt jach den Kahn«, beobachtet Hagen. »Um die Rückkehr ist’s mir jach«, wird Siegfried kurz darauf sagen. Wer das neudeutsche Wort »jähe« (wie in »jähzornig«: schnell erzürnt) kennt, wird keine Schwierigkeiten haben, in »jach« das verwandte Wort zu erkennen. Es leitet sich von dem althochdeutschen kâhi / gâhi ab (mittelhochdeutsch: gaehe bzw. gach, und noch älter, also gotisch, vielleicht gêhv), was sich noch im französischen »gai« (munter, lebhaft) erhielt. »Mir ist  gâch«, sagte man im Mittelalter, wenn man es eilig hatte, doch noch zu Wagners Zeiten kannten einige Dichter das Wort, wenn sie es nicht eilig hatten, ein moderneres zu finden.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2022 erläutert Dr. Frank Piontek die fremdartigsten.

Die Jungen Freunde auf Reisen

Am vergangenen Donnerstag besuchten die Jungen Freunde die Generalprobe Tristan und Isolde am Theater Duisburg. Für die Produktion der Deutschen Oper am Rhein hatte Eberhard Kloke eine Bearbeitung der Tristan-Partitur vorgenommen, in der das Orchester auch räumlich zum Protagonisten wird. Die Inszenierung von Dorian Dreher nimmt Klokes musik-dramaturgisch angelegte und als „Handlung und Psychogramm“ bezeichnete Interpretation auf und fügt eine künstlerische Perspektive hinzu, die der Musik ganz nah ist. Die Musikalische Leitung hatte Axel Kober inne.

An der Bar: Daniel Frank (Tristan), Kirsten Kadereit-Weschta (Englischhorn).
Obere Ebene: Duisburger Philharmoniker, Richard Šveda (Kurwenal).
© Hans Jörg Michel
Alexandra Petersamer (Isolde), Duisburger Philharmoniker. © Hans Jörg Michel

Ringwörterbuch • Zerspellen

»Wotans Speer zerspellte der Wälsung« – Alberich weiß Bescheid: Nothung zerhaute Wotans Speer. Das Urwort des Worts ist das mittelhochdeutsche Verbum »spellen« (aus dem gotischen »spillon«): erläutern, darlegen, reden. Im altenglischen »speld« ist es so enthalten wie im neuenglischen »spell« – denn »buchstabieren« bedeutet, die Sprache und die Sätze so auseinanderzu»spalten« wie der spellende Spalter einen Speer in zumindest zwei einzelne Teile. »Spellen« (was u.a. »Holz spalten« bedeutete) und »spalten« standen daher noch zu Wagners Zeiten nebeneinander. »Spellen« ist also eines der besten Beispiele für ein von Wagner verwendetes, heute in der deutschen Sprache archaisches Wort, das in lebenden Sprachen wie der verwandten englischen noch gang und gäbe ist.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2022 erläutert Dr. Frank Piontek die fremdartigsten.