Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 4

1795 veröffentlichte der irische Taschendieb und spätere australische Polizeichef George Barrington seinen Reisebericht »A voyage to New South Wales«, in dem er von einem holländischen Kriegsschiff berichtet, das vor einigen Jahren vor dem Kap der Guten Hoffnung verloren ging, wobei »jede Seele an Bord umkam«, während ein Begleitschiff heil das Kap erreichte. Später wurde genau dieses Schiff fast auf demselben Breitengrad vom Sturm angegriffen, Barrington war dabei: »In der Nachtwache sahen einige der Leute ein Schiff, das für sie unter dem Druck der Segel stand, als würde es sie überrennen, oder stellten sich vor, sie sähen es, als würde es sie überrennen; besonders einer bestätigte, dass es das Schiff war, das bei dem früheren Sturm untergegangen war, und dass es sicherlich sie oder ihre Erscheinung sein musste; aber beim Aufklaren verschwand das Objekt.« Für den aufgeklärten Barrington war dieses Phantom lediglich eine dunkle, dicke Wolke, für den betrunkenen Bootsmann ein Gespensterschiff: »Es muss sicherlich der Geist jenes Holländers sein, der auf diesem Breitengrad unterging und der, wie ich gehört habe, in diesem Viertel immer wieder in harten Windstürmen auftaucht.«

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Von Freund zu Freund • Lohengrin auf Arte.tv

Ganz ohne Publikum, dafür als Fernsehübertragung, wurde am 13. Dezember Calixto Bieitos Neuinszenierung des Lohengrin an der Staatsoper Unter den Linden aufgeführt. Thomas Rauchenwald, Mitglied der Freunde von Bayreuth, schickt uns seine Gedanken zur der Inszenierung. Auf Arte.tv ist die Produktion noch bis zum 15. Januar 2021 online verfügbar. Besprochen wurde diese unter anderem auch in der WELT sowie bei derFreitag.

Sie können zusammen nicht kommen: Calixto Bieito inszeniert Lohengrin an der Berliner Lindenoper (Thomas Rauchenwald)

Im Rahmen der Initiative „Wir bleiben offen“ werden nun auch in ARTE TV in den nächsten Wochen Aufführungen aus verschiedenen Musentempeln zeitversetzt live in die Wohnzimmer des Publikums geliefert. Den Beginn macht am 13. Dezember 2020 Richard Wagners romantische Oper Lohengrin, dessen Premiere coronabedingt nicht vor Publikum stattfinden konnte und deshalb als Fernsehübertragung zu erleben war.

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Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 3

Die erste literarische Überlieferung der Sage, die das Motiv des Kaps, aber nicht das der Wette mit dem Teufel enthält, wurde 1790 von John MacDonald in seinen »Travels in various parts of Europe, Asia and Africa during a series of thirty years and upward« festgehalten: »Das Wetter war so stürmisch, dass die Seeleute sagten, sie hätten den Fliegenden Holländer gesehen. Die gemeinsame Geschichte ist, dass dieser Holländer bei schlechtem Wetter zum Kap kam und in den Hafen einlaufen wollte, aber keinen Lotsen zum Dirigieren bekommen konnte und sich verirrt hatte, und dass seither bei sehr schlechtem Wetter dessen Erscheinung auftaucht« – die gewöhnlichen optischen Täuschungen auf dem Meer zu verdanken ist.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 2

Wer im Wasser der Überlieferung taucht, wird auf die Ursprünge der Sage stoßen, die bis in das Ende des 15. Jahrhunderts reichen, als der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz es erstmals 1487/88 unternahm, das lebensgefährliche Kap der Guten Hoffnung zu umschiffen, wo er im Jahre 1500 den Tod in den Wellen fand. Dass Julius Vanderdecker, der 1821 zum ersten Mal mit der Holländer-Sage in Verbindung gebracht wird, 1553 geboren wurde und im spanischen Jute-Handel tätig war, passt also trefflich zu der Legende, die im 17. Jahrhundert weiteres Material erhielt, als die holländischen Calvinisten unnachgiebig mit den Portugiesen um die Wette fuhren, um sich ein Kolonialreich zu erobern – und dabei mit Tod und Teufel kämpften und oft ihr Leben riskierten.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.