Freunde treffen Freunde • Gespräch mit Roland Schwab

Poesie und Schönheit, das ist es, worauf Roland Schwab, der Regisseur der aktuellen „Tristan“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen, setzt. Bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth plauderte der 52-Jährige ein wenig aus dem Nähkästchen, gab Einblicke in seine Arbeit und seine Herangehensweise.

Nachdem ihm erst Mitte Dezember die Anfrage aus Bayreuth erreicht hatte, habe er sämtliche Stätten der „Tristan“-Komposition Richard Wagners besucht und sei danach auf die Idee gekommen, ein „Manifest der Schönheit“ zu schaffen. Nach seinem Aufenthalt in der Villa Wesendonck, in Venedig und im Schweizer Hof am Vierwaldstätter See sei er zu dem Schluss gekommen, dass er in seiner Inszenierung Gefühl, Schönheit und Ästhetik zulassen werde. Damit fügt sich die Inszenierung nach der Auffassung von Roland Schwab zum einen sehr gut in den Kontext der Festspiele 2022 ein, zum anderen sei sein „Tristan“ „am richtigen Platz in dieser hässlichen Zeit“.

Beim Publikum stieß der Regisseur damit ganz offensichtlich auf große Zustimmung. Sie vermisse die Schönheit in vielen Inszenierungen total, sagte einer Besucherin bei der Talkrunde. Sie sei Ronald Schwab überaus dankbar, dass er dies in seiner Inszenierung so zum Ausdruck bringe. Das habe er ganz bewusst so gemacht, bekräftigte Roland Schwab. Er habe ganz bewusst auch eine Gegenwelt zu den vorhergehenden „Tristan“-Inszenierungen von Katharina Wagner und Christoph Marthaler schaffen wollen. Mit dem LED-Feld auf der Bühne sei nicht zuletzt eine Assoziation zur berühmten Scheibe aus den Inszenierungen Wieland Wagners in den 1950er Jahren geschaffen worden. Eher zufällig gebe es im dritten Aufzug auch eine Verbindung zur Bilderwelt Caspar David Friedrichs.

Grund dafür, dass die „Tristan“-Aufführung heuer nur zwei Mal auf dem Spielplan stand, sei es gewesen, dass die Neuinszenierung als eine Art Joker für einen möglichen Corona-bedingten Ausfall einer der großen Chorwerke „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ gedacht war. Hätte eine Aufführung dieser beiden Werke abgesagt werden müssen, dann wäre eine „Tristan“-Aufführung kurzfristig in den Spielplan aufgenommen worden. Auch im kommenden Jahr werde es bei den Festspielen nur zwei Aufführungen der Inszenierung von Roland Schwab geben.

Als „ganz komische Situation“ bezeichnete Roland Schwab den Dirigentenwechsel kurz vor der Premiere. Bekanntlich hatte Markus Poschner zehn Tage vor der Premiere die musikalische Leitung von Cornelius Meister übernommen. Meister, der ursprünglich für den „Tristan“ vorgesehen war, übernahm dafür den kompletten „Ring“-Zyklus für den erkrankten Pietari Inkinen. Im Schnelldurchlauf habe er dem neuen Dirigenten seine Sichtweise erklärt, sagte Roland Schwab. Glücklicherweise habe es da nicht nur Schnittmenge, sondern sogar eine gemeinsame Basis gegeben. Irgendwie sei es aber schon so gewesen, „als ob man den K2 hochgeht und der Partner wird kurz vor dem Gipfel mit dem Heli abgesetzt“, so der Regisseur.

Text und Bild: Stephan Herbert Fuchs

Roland Schwab und Ina Besser-Eichler im Gespräch im Kammermusiksaal

Freunde treffen Freunde • Gespräch mit Christian Thielemann


„Mir schwankt der Boden“ überschrieben wir die Einladung zum Gespräch mit Christian Thielamann am 6. August 2022 im Kammermusiksaal der Klaviermanufaktur Steingraeber.

Dass im „mystischen Abgrund“ die Konzentration des Publikums, jedes „Stille halten“ bis zum Verklingen der letzten Töne (oder auch Unruhe) zu spüren ist, bestätigte Christian Thielemann auf Nachfrage und lobte die außerordentlichen Leistungen des Orchesters und aller Mitwirkenden. Man wisse um die hohen Erwartungen der Gäste und er habe auch selbst höchste Ansprüche an die eigene Person und die Kollegen.

Als „unseren besten Assistenten“ bezeichnete er im Rückblick Festspielleiter Wolfgang Wagner, ohne den er nicht der Dirigent wäre, der er heute ist. Die Auswirkungen der Gestaltungen des Bühnenbildes (Größe, Art der Räume und Materialien) auf die Akustik sei von allergrößter Bedeutung, Herr Thielemann erläuterte dies an einigen Produktionen, die er als Musikalischer Leiter betreute und was er diesbezüglich von Wolfgang Wagner lernen konnte.

Dass das Publikum weder die Musiker noch den Dirigenten sehen können, bezeichnete Thielemann als genialen Einfall Richard Wagners: Aussehen, Kleidung, große Gesten des Dirigierens oder dirigieren ohne Partitur spielten keine Rolle, da man dem Publikum nicht imponieren müsse und sich so auf das Wesentliche konzentrieren könne.

Auch einige private Einblicke gab Christian Thielemann, so u.a. welche Musik er höre und welche Interpreten und Künstler ihn bewegen.

Die kommenden Termine der „Freunde treffen Freunde“-Veranstaltungen:
Roland Schwab am 13. August 2022, Prof. Dr. Anno Mungen am 20. August 2022 sowie Valentin Schwarz am 27. August 2022.

Tag der Freunde • Impressionen

Mit der Mitgliederversammlung um 10 Uhr begann der „Tag der Freunde“: Festspielleiterin Prof. Katharina Wagner berichtete über den Start der Festspiele und die künstlerischen Planungen für die nächsten Jahre. Die Regisseure Roland Schwab und Valentin Schwarz stellten sich den Fragen der Mitglieder. In wenigen Tagen wird das Video der Mitgliederversammlung im internen Bereich zur Verfügung stehen.

Ein Austausch unter Mitgliedern schloss sich auf der Terrasse an.

Über den Stand der Generalsanierung im allgemeinen und über die des rechten Turmes informierte ausführlich Herrn Matern vom Architekturbüro Stephan.

Herzlichen Dank gilt dem Technischen Direktor Peter Krottenthaler der mit seinen Kollegen über 100 Mitgliedern bei den Werkstattführungen die Arbeit „hinter den Kulissen“ näher brachte. Frau Dorn (Maskenbildnerin), Herr Löhrer (Werkstattleiter), Herr Maisel (Schnürmeister/ Leiter der Obermaschinerie) und Herr Opitz (Untermaschinist/ Schlosser) haben uns über ihre Aufgaben bei den Bayreuther Festspielen plastisch erzählen können – wir wären gerne noch länger geblieben…

Den „Tag der Freunde“ rundete das zweite Festspiel Open Air im Festspielpark würdig ab. Über 4.000 Gäste genossen einen lauen Sommerabend mit dem Festspielorchester unter der Leitung von Constantin Trinks, welchen Festspielleiterin Katharina Wagner unter Titel „Glaube-Liebe-Hoffnung“ stellte.

Bilder: Stephan Herbert Fuchs

Festspiel Open Air • Impressionen

27. Juli 2022 Open Air im Festspielpark unter der musikalischen Leitung von Oksana Lyniv.

Es musizierten Mitglieder des Festspielorchesters, Solisten waren Okka von der Damerau, Kristiane Kaiser, Stephen Gould und Jens-Erik Aasbo.

Am 2. August 2022 um 20 Uhr wird das Open Air Konzert unter der Leitung von Constantin Trinks noch einmal im Festspielpark stattfinden. Herzliche Einladung!

Photos: Stephan Herbert Fuchs