150 Jahre Grundsteinlegung Festspielhaus

Nachdem Richard Wagner Bayreuth bereits 1871 als Stadt auserwählt hatte, in welcher er künftig seine Festspiele abhalten wollte, schenkte er sich zu seinem Geburtstag 1872 selbst sein vermutlich größtes Geburtstagsgeschenk.

Um, wie von Richard Wagner vorgesehen, das Orchester unsichtbar zu machen, auf Ablenkungen, Verzierungen und goldenen Prunk zu verzichten und sich ganz der Musik und dem Geschehen auf der Bühne hingeben zu können, musste erst noch ein eigenes Festspielhaus gebaut werden.

Am 22. Mai 1872, an Wagners 59. Geburtstag, fand die Grundsteinlegung des Festspielhauses in Bayreuth statt, welche groß gefeiert wurde. Aus diesem festlichen Anlass dirigierte Richard Wagner im Markgräflichen Opernhaus damals Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie.

© Musica Bayreuth_Andreas Harbach

Die Stadt Bayreuth und Musica Bayreuth knüpften nun am 22. Mai 2022 erneut an diese Tradition an. Die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt spielten Beethovens 9. unter der musikalischen Leitung Oliver Weders, unterstützt vom Kammerchor der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und die Solisten Zinzi Frohwein, Nadine Weissmann, Michael Gniffke und Uwe Schenker-Primus.

Einen Eindruck des Konzerts hat Andreas Harbach auf dem beigefügten Foto festgehalten.

Ringwörterbuch • Neid

Das böse Wort gehört zu den Lieblingsworten der Protagonisten des «Ring» – auch in den Kombinationen Neides-Zoll, Neid-Höhle und all den anderen mit «Neid» gebildeten Begriffen. Ursprünglich bezeichnete es im gotischen «neid» und althochdeutschen «nit» nicht die negative Eigenschaft des Hasses, sondern des (Kampf-)Eifers, auch im Sinne eines Wettstreits. Im «Ring» findet sich allein die jüngere Bedeutung der Missgunst und des Hasses, die eine Zeit lang neben dem positiv besetzten guten Neid noch herlief. Vom bloßen Einsatz im Kampf war es nicht weit zum tödlichen Streit, der mit dem Wunsch der Vernichtung des Gegners oder dem Ziel einhergeht, ihn, weil man neidisch ist, zu berauben: so wie Alberich, der sein Gut, den Ring, naturgemäß nur mit seinem Neid wiedererlangen kann. Im «Rheingold» hatte er Wotan und Loge klar analysiert: «Nach Nibelheim führt Euch der Neid» auf den Ring. Sein Fluch richtet sich seltsamerweise auch gegen sich selbst: «Wer ihn nicht hat, den nage der Neid» – also der Eifer, den im «Neidspiel» mit den Rheintöchtern errungenen Ring buchstäblich neidisch und als «Neiding» (wie es in der «Walküre» heißt) wiederzuer-ring-en.

Ringwörterbuch • Nicker

Sowohl Alberich als auch Wotan bezeichnen die Rheintöchter als »Nicker«. Wagner gelang mit dieser Wortfindung ein Coup, denn sie stammt nicht vom körperlichen Nicken ab, sondern vereinigt die schon im Althochdeutschen bezeugte »nicchessa« (maskulin: »nicchus«), also »Nixe«, mit dem niederdeutschen »Necker«. Der Zwerg und der Gott nehmen die Rheintöchter schon sprachlich als das, was sie in der ersten Szene des »Rheingold« sind: als Wasserwesen, die die männlichen Wesen schadenfroh reizen. Ursprünglich bedeutet »nackeit« noch die stärkere »Bosheit« – in Bezug auf den Nixennachsteller Alberich sind sie zweifellos böse, wovon der Zwerg zu Beginn der Szene unbewusst etwas zu ahnen scheint.

Zahl des Tages

 

12

Töne umfasste die Rumpforgel, die Richard Wagner 1876 einsetzte, um das »Es« der Kontrabässe im Orchestervorspiel von »Das Rheingold« zu verstärken. Ende der 1950er Jahre verschwand die Orgel auf wundersame Weise bei der Renovierung von Orchestergraben und Bühnenportal, war es doch stets schwierig gewesen, die Intonation der Orgel mit dem Orchester in Einklang zu bringen. (Mehr dazu finden Sie im Artikel »Realität und Identität« von Stefan Jöris, erschienen im Almanach 2013 ab Seite 118.)