Schmutzverwalter

Trotz Absage auf den letzten Drücker ist der neue Lohengrin in den Endproben, was dem Regieteam um Yuval Sharon erlaubt, schon vor der Premiere ein paar Interviews zu geben. Wie dieses hier in der ZEIT gemeinsam mit Rosa Loy und Neo Rauch. Wenn sich aus der Sprache Rückschlüsse auf die Inszenierung ziehen lassen, dürfte nach der Lektüre alles klar sein …

Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Klage

»Nun führ‘ ich Klage wider Elsa von Brabant.« So beginnt die Rede, die Telramund gegen die Beklagte vorbringt, auf die der König antwortet: »Welch fürchterliche Klage sprichst du aus.« Gemeint ist Klage im Sinne einer gerichtlichen Anklage – dieser Begriff erscheint schon im Althochdeutschen: »chlaga«, der mit dem altindischen Verb »garh« verwandt ist: »Er/sie beschuldigt jemanden«. Dann zitiert der Heerrufer Elsa »klagend laut und hell« vor Gericht. Hier mischen sich die Bedeutungen, denn ursprünglich bedeutet »klagen«: »wehklagen, jammern«. Der Kläger kann seine Klage gegenüber anderen, etwa vor Gericht, erheben. Elsa wird daraufhin eine Variante der ursprünglichen »Klage« nennen: »Des Herzens tiefstes Klagen ergoss ich im Gebet.« Darüber hinaus erfüllte sie, wie sie mitteilt, die »Lüfte« mit ihren Klagen, und auch Lohengrin, der zunächst sagte, dass Elsa schwere Klage angetan worden sei, wird zuletzt darüber klagen, dass Elsa ihm nicht vertraut habe. Kurz vor Schluss der Oper werden die Frauen dann mit »klagenden Gebärden« Elsa anklagen: »Wehe dir.« Auch hier hat Wagner – sprachgeschichtlich konsequent – die ursprüngliche mit der juristischen Bedeutung vermischt.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

Festspiel-Steckbrief • Christoph Bauch

Technischer Direktor der Bayreuther Festspiele seit 2015

Christoph Bauch vor dem Bühnenbild für die Meistersinger und Parsifal

Mein Werdegang …

… begann in Dresden, wo ich auch geboren wurde. Ich habe an der Semperoper eine Ausbildung zum Tischler gemacht und dann immer weitere Stufen erklommen: Zunächst war ich Bühnenarbeiter, später Vorarbeiter, Meister, Obermeister, Leiter der Bühnentechnik, Technischer Leiter, bis ich schließlich stellvertretender Technischer Direktor wurde. Es folgte ein Engagement am Theater Bremen als Technischer Direktor und anschließend als Technischer Leiter am Theater an der Wien.

Weiterlesen