Intermezzi • Impressionen

Bei den diesjährigen Intermezzi konnten sich wieder Mitglieder und Freunde aus aller Welt auf dem schönen Westbalkon des Festspielhauses über Wagner, die Inszenierungen und Musik austauschen oder mit unseren Gästen ins Gespräch kommen. Gäste waren Mitwirkende und Mitarbeiter der Festspiele, u.a. Daniela Köhler (Brünnhilde in „Siegfried“), Peter Krottenthaler (Technischer Leiter der Festspiele), Roland Schwab (Regisseur „Tristan und Isolde“), Vanessa Zuber (Stipendiatin der Gesellschaft der Freunde), Daniel Kirch (Loge „Rheingold“) und Manni Laudenbach (Oskar „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“) sowie Musiker aus dem Festspielorchester.

Hier Impressionen einiger Termine aus dem Sommer 2022.

Freunde treffen Freunde • Gespräch mit Valentin Schwarz

„Wahrheit will gemeinsam entdeckt werden“ – „Ring“-Regisseur Valentin Schwarz gab heute Einblicke in seine Arbeit

Er will kein Aufklärer sein, er möchte aber auch nicht verwirren: Valentin Schwarz, Regisseur der aktuellen „Ring“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen. Bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth berichtete Valentin Schwarz im Gespräch mit dem Kulturjournalisten Frank Piontek über seine Arbeit, seine Herangehensweise an Wagner und erläuterte das eine oder andere Detail aus seiner durchaus auch umstrittenen Inszenierung.

„Ich glaube an ein wahnsinnig aktives und aufgeklärtes Publikum“, sagte Valentin Schwarz. In Bayreuth treffe dies auch zu, wenn man das „einzigartige Erregungs- und Aufregungspotential“ so verfolge. Der junge österreichische Regisseur sah dies durchaus positiv: „Hier beschäftigen sich die Leute damit“. Sein Ziel sei es, Erfahrungen zu ermöglichen und gemeinsam mit dem Publikum die Wahrheit zu entdecken.

Das gelte ganz besonders für den „Ring“. Gleich mehrfach sprach Valentin Schwarz bei der Veranstaltung von einem „Mammutwerk“. Beim „Ring“ handle es sich um den „Höhepunkt den Musiktheaters“, so der Regisseur, der eigentlich schon 2020 Premiere feiern wollte. Corona-bedingt wurde die Inszenierung auf dieses Jahr verschoben.

Nicht immer waren die Teilnehmer der Veranstaltung einer Meinung mit Valentin Schwarz. Da war die Rede davon, dass man vor dem Werk Richard Wagners auch Respekt haben sollte. Der Regisseur konterte, dass er ja mit seiner Arbeit versuche, die Einfälle des Komponisten an das Publikum von heute heranzuholen. Eingriffe, Schärfungen und manchmal auch Widersprüche seien dabei durchaus legitim. Schließlich blicke man auf den Ring anders als vor 150 Jahren. Was er aber auf keinen Fall beabsichtige, ist es, das Publikum absichtlich zu verwirren.

Für Verwirrung sorgte dagegen die Frage einer Zuhörerin an Valentin Schwarz, ob er mit seinen 33 Jahren denn schon reif genug sei, den „Ring“ zu inszenieren. „Ich werde in den kommenden Jahren auch älter und reife nach“, sagte Valentin Schwarz schmunzelnd. Moderator Frank Piontek erinnerte an Patrice Chereau, dem Regisseur des unvergessenen Jahrhundertrings aus dem Jahr 1976. Chereau war damals auch erst 32 Jahre jung und brachte es in der Folge als Film-, Theater- und Opernregisseur zu weltweiter Berühmtheit.

So wie es Chereau damals tat, kündigte auch Valentin Schwarz an, den Bayreuther Werkstattgedanken ernst zu nehmen und das eine oder andere noch zu verändern. Die „Werkstatt“ sei einer der wesentlichen Punkte Bayreuths. Ihm sei es wichtig, dass sich sein „Ring“ weiterentwickelt: Ohnehin hänge das Musiktheater von so vielen Faktoren ab, dass es praktisch jeden Abend neu entstehe. „Einen Endpunkt gibt es nicht, die ständige Transformation ist ein wesentlicher Teil des Musiktheaters.“

Text und Bild: Stephan Herbert Fuchs

Valentin Schwarz und Dr. Frank Piontek in der Klaviermanufaktur Steingraeber

Freunde treffen Freunde • Gespräch mit Roland Schwab

Poesie und Schönheit, das ist es, worauf Roland Schwab, der Regisseur der aktuellen „Tristan“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen, setzt. Bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth plauderte der 52-Jährige ein wenig aus dem Nähkästchen, gab Einblicke in seine Arbeit und seine Herangehensweise.

Nachdem ihm erst Mitte Dezember die Anfrage aus Bayreuth erreicht hatte, habe er sämtliche Stätten der „Tristan“-Komposition Richard Wagners besucht und sei danach auf die Idee gekommen, ein „Manifest der Schönheit“ zu schaffen. Nach seinem Aufenthalt in der Villa Wesendonck, in Venedig und im Schweizer Hof am Vierwaldstätter See sei er zu dem Schluss gekommen, dass er in seiner Inszenierung Gefühl, Schönheit und Ästhetik zulassen werde. Damit fügt sich die Inszenierung nach der Auffassung von Roland Schwab zum einen sehr gut in den Kontext der Festspiele 2022 ein, zum anderen sei sein „Tristan“ „am richtigen Platz in dieser hässlichen Zeit“.

Beim Publikum stieß der Regisseur damit ganz offensichtlich auf große Zustimmung. Sie vermisse die Schönheit in vielen Inszenierungen total, sagte einer Besucherin bei der Talkrunde. Sie sei Ronald Schwab überaus dankbar, dass er dies in seiner Inszenierung so zum Ausdruck bringe. Das habe er ganz bewusst so gemacht, bekräftigte Roland Schwab. Er habe ganz bewusst auch eine Gegenwelt zu den vorhergehenden „Tristan“-Inszenierungen von Katharina Wagner und Christoph Marthaler schaffen wollen. Mit dem LED-Feld auf der Bühne sei nicht zuletzt eine Assoziation zur berühmten Scheibe aus den Inszenierungen Wieland Wagners in den 1950er Jahren geschaffen worden. Eher zufällig gebe es im dritten Aufzug auch eine Verbindung zur Bilderwelt Caspar David Friedrichs.

Grund dafür, dass die „Tristan“-Aufführung heuer nur zwei Mal auf dem Spielplan stand, sei es gewesen, dass die Neuinszenierung als eine Art Joker für einen möglichen Corona-bedingten Ausfall einer der großen Chorwerke „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ gedacht war. Hätte eine Aufführung dieser beiden Werke abgesagt werden müssen, dann wäre eine „Tristan“-Aufführung kurzfristig in den Spielplan aufgenommen worden. Auch im kommenden Jahr werde es bei den Festspielen nur zwei Aufführungen der Inszenierung von Roland Schwab geben.

Als „ganz komische Situation“ bezeichnete Roland Schwab den Dirigentenwechsel kurz vor der Premiere. Bekanntlich hatte Markus Poschner zehn Tage vor der Premiere die musikalische Leitung von Cornelius Meister übernommen. Meister, der ursprünglich für den „Tristan“ vorgesehen war, übernahm dafür den kompletten „Ring“-Zyklus für den erkrankten Pietari Inkinen. Im Schnelldurchlauf habe er dem neuen Dirigenten seine Sichtweise erklärt, sagte Roland Schwab. Glücklicherweise habe es da nicht nur Schnittmenge, sondern sogar eine gemeinsame Basis gegeben. Irgendwie sei es aber schon so gewesen, „als ob man den K2 hochgeht und der Partner wird kurz vor dem Gipfel mit dem Heli abgesetzt“, so der Regisseur.

Text und Bild: Stephan Herbert Fuchs

Roland Schwab und Ina Besser-Eichler im Gespräch im Kammermusiksaal

Freunde treffen Freunde • Gespräch mit Christian Thielemann


„Mir schwankt der Boden“ überschrieben wir die Einladung zum Gespräch mit Christian Thielamann am 6. August 2022 im Kammermusiksaal der Klaviermanufaktur Steingraeber.

Dass im „mystischen Abgrund“ die Konzentration des Publikums, jedes „Stille halten“ bis zum Verklingen der letzten Töne (oder auch Unruhe) zu spüren ist, bestätigte Christian Thielemann auf Nachfrage und lobte die außerordentlichen Leistungen des Orchesters und aller Mitwirkenden. Man wisse um die hohen Erwartungen der Gäste und er habe auch selbst höchste Ansprüche an die eigene Person und die Kollegen.

Als „unseren besten Assistenten“ bezeichnete er im Rückblick Festspielleiter Wolfgang Wagner, ohne den er nicht der Dirigent wäre, der er heute ist. Die Auswirkungen der Gestaltungen des Bühnenbildes (Größe, Art der Räume und Materialien) auf die Akustik sei von allergrößter Bedeutung, Herr Thielemann erläuterte dies an einigen Produktionen, die er als Musikalischer Leiter betreute und was er diesbezüglich von Wolfgang Wagner lernen konnte.

Dass das Publikum weder die Musiker noch den Dirigenten sehen können, bezeichnete Thielemann als genialen Einfall Richard Wagners: Aussehen, Kleidung, große Gesten des Dirigierens oder dirigieren ohne Partitur spielten keine Rolle, da man dem Publikum nicht imponieren müsse und sich so auf das Wesentliche konzentrieren könne.

Auch einige private Einblicke gab Christian Thielemann, so u.a. welche Musik er höre und welche Interpreten und Künstler ihn bewegen.

Die kommenden Termine der „Freunde treffen Freunde“-Veranstaltungen:
Roland Schwab am 13. August 2022, Prof. Dr. Anno Mungen am 20. August 2022 sowie Valentin Schwarz am 27. August 2022.

Festspiele 2022

***English version below***

Es ist soweit! Der Spielplan für die Bayreuther Festspiele für die Saison 2022 ist erschienen.

Dieses Jahr werden gleich zwei Neuinszenierungen auf die Bühne gebracht: Tristan und Isolde, sowie der lang erwartete Der Ring des Nibelungen. Auch Wiederaufnahmen von Richard Wagners Der fliegende Holländer, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg und Lohengrin stehen ebenfalls auf dem Programm. Umrahmt wird die Festspielzeit durch weitere Konzerte sowie Veranstaltungen des DISKURS BAYREUTH. Den Spielplan können Sie hier einsehen.

Den Versand der Bestellunterlagen planen wir für Mitte März. Ebenso bereiten wir viele schöne Veranstaltungen während der Festspielzeit für unsere Mitglieder und Freunde vor.

Wir freuen uns auf spannende Inszenierungen, auf Begegnungen mit Ihnen und einen wunderbaren gemeinsamen Sommer auf dem Grünen Hügel. Bis bald!

The stage is set!

The programme for the Bayreuther Festspiele 2022 is announced.

This year, two new productions will be presented: Tristan und Isolde, as well as the long-awaited Der Ring des Nibelungen. Revivals of Richard Wagner’s Der fliegende Holländer, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg and Lohengrin can also be seen on stage. The festival season is accompanied by two further concerts and events organised by DISKURS BAYREUTH. You can find the programme here.

We plan to send out the order forms in mid-March. We are also preparing many enjoyable events for our members and friends during the festival season.

We look forward to exciting productions, to meeting you and to spending a summer together on the Grüner Hügel.

See you soon!