Meistersingerwörterbuch • Freiung

Einerseits meint Freiung (nicht zu verwechseln mit dem »Freisingen« der historischen Meistersinger), so David, im 1. Akt die Lossprechung der Gesellen, die nicht gegen die Regeln der Tabulatur verstoßen haben. Genau dies aber geschieht nicht in der folgenden Singschule. Stattdessen soll die ausdrücklich als Freiung bezeichnete Sitzung der Aufnahme Stolzings in den Meisterstand dienen. Schon bei den historischen Meistersingern wird mit Freiung die Zuerkennung des Meister-Titels aufgrund eines fehlerfrei vorgetragenen selbsterfundenen und kunstgerechten Tons bezeichnet.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Meistersingerwörterbuch • Taufe

Am Beginn der Oper wird im Gemeindechoral an die Taufe Jesu durch den Täufer Johannes erinnert. Im 3. Akt wird von Hans (!) Sachs eine neue Meister-Weise »getauft«: »Ein Kind ward hier geboren. […] Weil wir die Weise wohl vernommen, sind wir zur Taufe hierher gekommen.« Bei den historischen Meistersingern gab es keinerlei Taufe nach der Geburt eines neuen Liedes; Taufe bezeichnete bei ihnen lediglich die Aufnahme eines Mitgliedes in die Meistersinger-Zunft. Wagner benutzt den kirchlichen Begriff, um die Vergöttlichung der (d.h. seiner originellen musikalischen) Kunst in einem prägnanten, aufs Neue Testament bezogenen Ritus zu versinnbildlichen.
Das Wort kommt schon im Gotischen vor: daupeins. Es hängt mit dem Wort »tief« zusammen: »dass man tief ins Wasser senket, was man teuffet«, so Luther.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Meistersingerwörterbuch • Dichter & Meistersinger

Erst der Dichter erfindet zu neuen Tönen neue Weisen. Das althochdeutsche Verb tihton (von lat. dictare: etwas diktieren) taucht schon im 9. Jahrhundert auf und bedeutet »abfassen, schreiben«. Es ist bemerkenswert, dass für die Meistersinger zum kunstgerechten Dichten auch musikalische Qualifikationen erforderlich waren.
In der Oper bedeutet Meistersinger zweierlei: Zum einen werden die Mitglieder der Meistersinger-Zunft so bezeichnet, zum anderen jene Meister, die neue Töne zu neuen Weisen erfinden. Meistersinger bezeichnet in diesem präzisen Wortsinn also nichts anderes als Dichter.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Freunde treffen Freunde • Uwe Eric Laufenberg

Uwe Eric Laufenberg in der Steingraeber Klaviermanufaktur (Foto: Fuchs)

»Du kannst alles machen, nur nicht das, was in der Regieanweisung steht«, lautete der Tipp eines befreundeten Regisseurs an Uwe Eric Laufenberg, den Regisseur des aktuellen Parsifal bei den Bayreuther Festspielen. Für den Parsifal gilt die Regel freilich nur bedingt. Allegorische Musik, religiöse Mystik, Weihrauch, das unsagbare Leiden von Jesus Christus als Grundmythos: das alles macht das Bühnenweihfestspiel so außergewöhnlich. Bei der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth sprach Laufenberg über seine Parsifal-Inszenierung, die von Anfang an mit einigen Missverständnissen zu kämpfen hatte.
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