Meistersingerwörterbuch • Meistersangstrophe

Für die historischen Meistersinger war der Bar (eigentlich ein Neutrum, kein Maskulinum) das Ganze des Liedes. Bar leitet sich vielleicht von Parat ab, einem Begriff aus der Fechtersprache: ein kunstvoller Hieb (Parade). Die beiden ersten, in Versgestalt und Melodie identischen Teile des Bars heißen Stollen – ursprünglich bedeutet das Wort (vgl. stellen) »Stütz- und Tragpfosten verschiedener Hausgeräte«. Damit enthält das Gesätz – also der von Wagner nicht eigens genannte Aufgesang bzw. die beiden Stollen – seinen formalen Unterbau. Der Schluss des Liedes ist der Abgesang mit einer neuen, also einer »besondren Melodei«, wie es in der Tabulatur heißt.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Meistersingerwörterbuch • Probe

»Wird erst auf die Fehlerprobe gedrungen? / Oder gleich erklärt, dass er versungen?« fragt Beckmesser, nachdem Walter von Stolzing sein Lied in der Singschule gesungen hat. Wagner, der den Begriff vermutlich erfand und nicht in seinen historischen Quellen vorfand, verwendet ihn in seiner ursprünglichen Bedeutung, wie sie im lat. probare begegnet: prüfen.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Meistersingerwörterbuch • Merker & Gemerk

Ursprünglich bedeutet »merken« mit einem Zeichen versehen, kenntlich machen. Eben dies macht der Merker Beckmesser (der dem Ansager hierarchisch gleichsteht), wenn er auf einer Schiefertafel buchstäblich mit Kreide anmerkt, ob der Sänger gegen die Regeln der Tabulatur verstoßen hat. Beim »Hauptsingen« (der Singschule im engeren Sinn) überwachten den Gesang bis zu vier Merker, die in Verschlägen saßen, die nach dem Amt benannt wurden, das in ihnen verrichtet wurde: dem Gemerk. Die Protokolle der Singschule wurden seinerzeit in einem Gemerkbuch festgehalten.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Meistersingerwörterbuch • Tabulatur

»Was Euch zum Liede Richt‘ und Schnur, vernehmt nun aus der Tabulatur«, singt der Ansager Fritz Kothner, bevor die Lehrbuben die Tafel der »Leges Tabulaturae« (der Tabulatur-Gesetze) von der Wand nehmen, von der der Sekretär den Gesetzestext abliest. Die historischen Meistersinger haben den Begriff der Tabulatur der Instrumentalmusik entlehnt, obwohl die Musik auf ihr keine Rolle spielte. Sie enthielt die Kunstregeln der Singer, doch nur, soweit sie die Texte betrafen. Sie schrieb vor allem die Vers- und Reimgestaltung vor, forderte die Sprachverständlichkeit (im Sinne des Luther-Deutschen), den ununterbrochenen Vortrag und die dogmatische Stimmigkeit der geistlichen Lieder.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Bayreuth Lectures in 2016

There is a long tradition of lectures in English in the course of the Bayreuth Festival. The Wagner Society of New York is again offering the lectures by John J. H. Muller in 2016. The Richard Wagner Society of the Upper Midwest is continuing its discussion sessions. This will be the fourth time that David W. Cline and Alexander von dem Bottlenberg have examined the concept behind Frank Castorf’s production. Based on his book Parsifal. The Will and Redemption, John L. Mastrogiovanni will be providing an insight into the philosophical and spiritual aspects that Wagner develops in his Bühnenweihefestspiel.
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